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Die Ortschaft Amlishagen (Teilort der Stadt Gerabronn)

Die Chronik eines Dorfes

(Von Thomas Dahmen, ergänzt von Michael Ansorge)

Wie aus Amelungshagen Amlishagen wurde

Der Ort Amlishagen wurde 1260 erstmals urkundlich erwähnt, meist hieß er Amelungshagen, gelegentlich erschien er aber auch in anderer Schreibweise. Sicher ist, dass an diesem Platz schon während der keltischen Periode eine Siedlung bestand, darauf deuten Gegenstände hin, die 1952 bei einem Wasserleitungsbau gefunden wurden und in diese Periode gehören. In enger Verbindung mit der keltischen Besiedlung ist auch die so genannte "Schweden-Schanze" zu sehen, ein auf der anderen Brettachseite gelegener keltischen Abschnittswall.

Von den mittelalterlichen Befestigungsanlagen ist noch heute neben der neuen Schule ein Teil des Befestigungswalles zu sehen, während vor Zeiten der Ort in Richtung Norden durch eine große Hecke abgeschirmt wurde, einen Haag. Daher wohl auch der name Amelungshaag oder Amelungshagen.

 

Amelie und Rickele

Eine alte Legende berichtet von einem Ritter, der zwei Töchter hatte, deren eine, Amelie genannt, dem Ort Amlishagen den Namen gab, die andere, Rickele gerufen, ließ sich ein Stück weit davon nieder und wurde so zur Namensmutter von Rückershagen.

Das Geschlecht, das die Geschichte von Amlishagen geprägt hat, waren die Herren von Wollmershausen , die hier ab 1463 ansässig waren, bis sie 1708 im Mannesstamm erloschen. Vorher müssen bereits andere Geschlechter an diesem Platz gesessen haben, denn der Mantel dieses in seiner Art einmaligen Wehrturmes der alten Burganlage, ist bereits im 13. Jahrhundert erbaut worden. Das Dach, das im 2. Weltkrieg beschädigt worden ist hat man wieder gerichtet.

 

Der Haag rings um den Ort

Das Dorf hatte früher drei Tore. Eines befand sich an der Stelle, an der heute eine Anlage mit einem Brunnen geschaffen wurde, das zweite lag gegenüber dem Anwesen Hügelmeier, heute Haus von Walter Güttler, das dritte neben dem heutigen Haus Scharl. Diese sind aber wahrscheinlich schon in der Zeit des Städtekrieges, spätestens jedoch nach dem Dreißigjährigen Krieg, abgegangen. Im Städtekrieg, in dessen Verlauf sich Städter und Ritter gegenseitig ihre Gebäude anzündeten, ist auch der äußere Teil von Amlishagen zerstört worden, während anscheinend in der Burg Widerstand geleistet wurde, sodass diese erhalten blieb.

Der Bau des neuen Schlosses wurde 1601 begonnen und zog sich dann bis 1684 hin, da im Dreißigjährigen Krieg große Kriegslasten zu bezahlen und zu liefern waren. Auch der Neuaufbau des Dorfes wurde nach 1648 tatkräftig in Angriff genommen, sodass 1840 in Amlishagen eine Gerberei, eine Färberei, eine Mahlmühle, eine Schneidemühle, eine Lohnmühle, eine Hammerschmiede und zeitweise eine Wattefabrik feststellbar waren. Am Hörnleinsweg bestand sogar ein Siechenhaus, in dem 1810 ein französischer Soldat starb.

Die "Krone" war Erbschenke der Herrschaft. Hier wurde gebraut. Der benötigte Hopfen wurde im Rain gezogen. Allerdings tranken die Herren wohl auch Wein, denn 1625 wurden angeblich 183 Malter Hafer nach Igersheim und Laudenbach geliefert im Tausch gegen Tauberwein.

Die Bevölkerung war vor dem Dreißigjährigen Krieg leibeigen und hatte, je nachdem was für ein Herr gerade auf dem Schloss saß, oft nichts zu lachen. Durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges ist die Leibeigenschaft der damaligen Dorfbewohner nicht mehr nachweisbar. Viele hatten sich auch freigekauft, da die Herrschaft immer Geld nötigt hatte, sodass allmählich nur jeder zehnte übrig blieb, der nach 1848 auch durch eine einmalige Zahlung abgelöst werden konnte. Offiziell war die Leibeigenschaft berreits 1817 von König Friedrich I. abgeschafft worden.

Bis 1796 war unser Gebiet dem Markgrafen von Ansbach unterstellt, der anscheinend die Reichsritterschaft Franken, Kanton Odenwald, vertrat. Jeden Dienstag in der Woche musste ein Mann nach Ansbach reisen, unterwegs Post abgeben, seine Sachen in der Hauptstadt erledigen, am Donnerstag hatte er wieder in zurück zu sein. Zuerst wurde die Reise zu Fuß erledigt, aber da dies sehr beschwerlich war, später zu Pferd. 1796 bis 1806 war das Gebiet dann preußisch, von 1806 bis 1810 dann sogar bayerisch, bis Napoleon 1810 die Hohenloher zu Württembergern machte.

1740 und 1770 waren nach der Chronik Missjahre, während von 1790 berichtet wird, dass die Bauern viel Geld scheffelten. So wurden damals allein aus Hohenlohe 12 000 Schafe ins Ausland, meist nach Frankreich, verkauft. Ein Langenburger Steuersekretär soll jedoch die Bauern mit hohen Zinsversprechungen um 500 000 Gulden erleichtert haben.

1523 wurde Amlishagen von Kaiser Karl V. das Marktrecht und das Halsrecht verleihen. Das Letztere bestand jedoch nicht lange. Es ist auch nicht bekannt, ob in Amlishagen einmal ein Todesurteil vollstreckt wurde. Aber einen Galgenweg gab es. Er führte die Brettach entlang bis zum heutigen Horschhof, überquerte dort die Straße nach Rot am See und führte in Richtung zum jetztigen Staudamm, wo die Richtstätte war. Dort musste dann bei Bedarf der Galgen aufgestellt werden. Ein Markt soll jedoch bis 1708 bestanden haben, und zwar am Katharinentag, dem 25. November.

Eine adlige Kirche

Der heiligen Katharina war auch die frühere Kapelle zu Amlishagen geweiht, die jedoch bei einem Unwetter am 1. August 1760 abbrannte. An ihrer Stelle entstand die neue Kirche, die jedoch mit der Eingangsseite nach Westen zeigt, da die Belastung an der Ostseite am Steilhang zur Brettach hin zu groß geworden wäre. Bauherr war ein Herr von Holz, der Schwiegersohn des letzten Wollmershausen, der im großen Umkreis Geldsammlungen machen ließ, da er allein das Geld zum Neubau nicht aufbrachte. Trotzdem machte er 1802 bankrott, denn die Kirche, so schön sie ist, war für den kleinen Ort Amlishagen zu groß und damit zu teuer geraten. 1970 wurde sie restauriert, besonders die so genannte Marktgräfler Wand wurde neu gestaltet. Bei dieser befinden sich Taufstein, Altar, Kanzel und Orgel übereinander, eine Anlage, die sich nur bei Kirchen des Ansbacher Bezirks findet, und da selten genug.

Um die Kirche befand sich früher ein Friedhof, der 1847 an seinen jetztigen Platz an der Straße nach Rot am See zu verlegt wurde. Die Kirche gehörte ab 1810 zum Dekanat Crailsheim, später zum Dekanat Blaufelden. 1841 wurde auch Unterweiler der Pafferei Amlishagen zugeschlagen.

Pfarrer und Schulzen

Von den Pfarrern aus neuerer Zeit sind folgende zu erwähnen. Bis 1892 Pfarrer Egelhaaf, dann bis 1902 Pfarrer Krauß. Auf ihn folgte bis 1909 Pfarrer Leitze, der durch seine Geflügelfarm bekannt wurde, wobei er das Hühnerfutter aus Tierknochen selbst herstellte. Von 1909 bis 1928 wirkte Pfarrer Zoller in Amlishagen, der eine Tochter vom Rittergutsbesitzer Philipp Bürger zu Frau hatte. Auf ihn folgte bis 1934 Pfarrer Lachenmaier, dann kamen verschiedene Vertreter, bis dann Pfarrer Zeeb von 1936 bis 1938 ständig hier predigte. Als weitere sind noch zu erwähnen: Pfarrer Heldmeier, der jedoch die meiste Zeit Kriegsdienst leistete, ab 1946 Pfarrer Hofmann, dann Pfarrer Dornbusch, Fröhlich, Wittmacher und Speck, der bis August 1986 hier Pfarrer war. 5 Jahre lang hatten wir Vertretungen durch verschiedene Pfarrer ( Elian, Kochendörfer-Münch und Jeschke ). Von 1991 bis 2005 ist Herr Pfarrer Rußig für unsere Gemeinde zuständig. Von 2005 bis 2007 hat Amlishagen mit Pfarrer Gruhler nochmals einen eigenen Pfarrer, der auch Michelbach betreut. Von Januar 2008 bis Dezember 20121 war (ist) Pfarrer Beißwanger mit Dienstsitz in Michelbach für Amlishagen zuständig.

An Ortsvorstehern hatte Amlishagen ab 1848 Schultheiß Findeisen, der auch als Tierarzt bekannt war. Nach ihm kam Leonard Roll, der seit 1837 im Ort eine Baumschule betrieb (diese gibt es immer noch!!), und ihm folgte Schultheiß Ernst Roll, ein bekannter Pomologe, unter dem hier Kurse für Obstbauzöglinge eingerichtet wurden, die bis 1923 bestanden und weiterhin bekannt waren. Nach seinem Tod übernahm Karl Böhm (sen) das Amt als Schultheiß, dem 1938 sein Sohn Karl Böhm (jun) im Amt folgte. Als er zum Wehrdienst eingezogen wurde, übernahm Förster Dinkel das Amt. Auf ihn folgte Bürgermeister Baumann. 1947 kam dann Friedrich Schmidt, der das Amt bis zu seinem allzufrühen Tod im Jahre 1971 innehatte. Unter ihm wurde die Wasserleitung und die Kanalisation gebaut. Er war ein weitblickender Mann, der viele Neubauten errichtete sowie die Aussiedlung aus dem Ortskern heraus vorantrieb. 1972 wurde Amlishagen zu Gerabronn eingemeindet. Bis 1985 war Friedrich Schmidt (sen) unser Ortsvorsteher. 1985 übernahm dann sein Sohn Friedrich Schmidt (jun) dieses Amt, welches er noch bis 2009 inne hat. Seit 2009 ist Hans Hacker Ortsvorsteher.

Manchmal reich - manchmal arm

In den Jahren vor und nach 1848 sind viele Gemeindemitglieder ausgewandert, meist nach Nordamerika. Obwohl das Handwerk blühte, fanden viele in Amlishagen keine Arbeit. Nach dem Krieg von 1870 / 71 wurde es besser. Das zeigt auch die Bezirksgewerbeausstellung von 1879 in Gerabronn, bei der von Amlishagen folgende Handwerker ausstellten: Schmied Zanzinger, Schumacher Beyer, Gerber Schaffert, Küfer Barthelmess und Dreher Dinkel. Nach der Oberamtsbeschreibung von 1847 hatt Amlishagen 487 Einwohner, die alle evangelisch waren. Es gab 18 Pferde, 35 Ochsen, 104 Kühe, 73 Stück Mastvieh, 260 Schafe, 91 Schweine darunter 25 Zuchsauen, 27 Ziegen sowie 30 Bienenvölker. Im Ort wurde auch Seidenraupenzucht betrieben. Maulbeerbäume wurden deshalb gepflanzt, von denen einer noch vor 40 Jahren am Rain stand. Auch der Obstbau spielte eine große Rolle, seit die Mostbearbeitung aufkam; viel Mostobst wurde in bayerische verkauft.

Die Postverbindung war früher gut. Zweimal mußte vor dem 1. Weltkrieg der Postbote Reinhard die Strecke Unterweiler - Oberweiler - Amlishagen - Rückershagen zurücklegen. Von ihm ist bekannt, daß er einmal statt seines Steckens einen Besen von Rückershagen nach Gerabronn mitnahm und dort erst den Irrtum bemerkte und daß er einmal seine Pfeiffe nicht mehr aus dem Mund brachte, da sie an seinem langen Bart angefroren war.

Kurz vor dem 1. Weltkrieg bekam Amlishagen elektrisches Licht. In dieser Zeit gab es noch viele Handwerker im Ort: 2 Schreiner, 1 Schmied, 2 Bäcker, 4 Schuster, 1 Zimmermann, 2 Küfer, 2 Schneider, ferner 3 Kaufläden 4 Wirtshäuser, 1 Ziegelei und 1 Baumschule.

Als in Gerabronn die Nährmittelfabrik erbaut wurde, fanden dort viele Ortseinwohner Arbeit, die allerdings nach dem 2. Weltkrieg durch den Konkurs der Firma kurzfristig Arbeislos wurden.

Der Rote Hahn auf den Dächern

1822 wurde ein großer Teil des Ortes ein Raub der Flammen. In der Wirtschaft "Zur Krone" war die Hausfrau mit einer brennenden Kerze dem im Dachboden aufgehängten Flachs so nahe gekommen, daß dieser Feuer fing. Bei starkem Ostwind breitete sich das Feuer rasend aus. Es kam erst am Haus Zürmer zum stehen. Bis auf ein dazwischen liegendes Haus, die ehemalige Schule, brannte alles ab. Es wurde damals der Fürst zu Langenburg herbeigerufen, der um das Feuer ritt und den Feuersegen sprach, worauf die Wut des Feuers nachgelassen haben soll. Da Wassermangel herrschte wurde eine Eimerkette von den Einwohnern bis hinunter zur Brettach gebildet und von dort das Wasser heraufgeholt. Auch 1911 vernichtete das Feuer an der Stelle an der damals das Haus Köhnlein (heute Zigan) steht, 5 bis 6 kleine Häuser. Wassermangel herrschte damals keiner, da schon die Weedt bestand, die nach 1822 als Feuersee aufgebaut worden war. Nur mußte die Feuerspritze erst mit heißem Wasser aufgetaut werden, da alles eingefroren war.

Krieg und Frieden

Den 1. Weltkrieg überstand die Gemeinde ohne wesentlichen Schäden. Viele Soldaten kehrten aber nicht mehr zurück. Schlimmer waren die Verluste an Dorfbewohnern im 2. Weltkrieg. Dazu kamen noch die Schäden durch die Beschießung des Ortes durch die Amerikaner am 12. und 13. April 1945, bei welcher der Hof der Ziegelhütte in Flammen aufging. Den Durchmarsch der Panzer folgte eine kurze Besetzung durch die Amerikaner, die sich jedoch korrekt verhielten.

Ein großes Problem waren der Zuzug von Evakuierten gegen Ende des Krieges und der Zustrom von 95 Heimatvertriebenen. Es löste sich jedoch verhältnismäßig schnell wieder, da viele der Evakuierten zurückkehrten und viele Heimatvertriebene in anderen Orten Arbeit fanden.

Ab 1952 ging es in der Gemeinde rasch aufwärts. Neben dem bereits erwähnten Wasserleitungsbau und der Ortskanalisation wurden Aussiedlerhöfe und Neubauten geschaffen, sowie eine Grünanlage im Ort angelegt. Es bestanden jetzt in der Gemeinde 4 Aussiedlerhöfe, 2 Ortsrandsiedlerhöfe, 1 Gärtnerei, 1 Zimmerei, 1 Möbelschreinerei, 1 Baumschule und 1 Malerbetrieb. Die Schule wurde zum einem Gemeindesaal umgestaltet.

Die Eingemeindung

Nach dem 1972 erfolgten Anschluß von Amlishagen an Gerabronn wurde eine Friedhofserweiterung durchgeführt mit gleichtzeitigem Bau einer Leichenhalle und der Erstellung einer Gedenktafel für die Gefallenen beider Weltkriege. Ausserdem wurden Wanderwege angelegt und ein Spielwiese im Wald an der Straße nach Rot am See geschaffen. Zwei schöne Brunnenanlagen zieren das Ortsbild. Ebenfalls 1979 fand die Zuteilung der Grundstücke durch das Flurbereinigungsamt statt. In den Jahren 1980 / 81 wurde in Amlishagen eine Kläranlage im Brettachtal gebaut, Sie liegt zwischen der Hammerschmiede und der Hubertusmühle. Im Jahr 1982 wurden die Kanalisation sowie die Durchgangstraßen des Ortes komplett erneuert. 1989 wurde im neuerschlossenen Baugebiet "Lehen" das erste Haus gebaut. Mittlerweile stehen 20 Häuser im Baugebiet.

Vom Rittergut blieb nur das Schloss

Vom Rittergut ist noch zu berichten, dass dieses in den Jahren von 1820 bis 1830 der Leibarzt des aus den Freiheitskriegen bekannten Feldmarschalls Blücher, ein Mann namens "von Horlacher" aus den "von Holzschen" Konkursmassen kaufte. Nach seinem Tod ging der Besitz teils durch Erbe, teils durch Kauf an die Familie Bürger über. Der Inhaber Adolf Bürger hat sich sehr um die Gemeinde verdient gemacht. Nach seinem Tod wurde das Rittergut geteilt und einezlene Teile später verkauft, bis auf das eigentliche Schloss. Zu erwähnen wäre noch, dass das Amlishagener Schloss die höchste Schildmauer von ganz Südeuropa besitzt.

 

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